serie besondere motorrader 2 das mannermotorrad

Serie: Besondere Motorräder 2 – Das “Männermotorrad”

Ja, diesmal geht es um ein richtiges Männermotorrad, um die Yamaha XT500, den Käfer unter den Motorrädern. Einfache Bauweise, robuste Technik, kein Schnickschnack.

Aber warum Männermotorrad?

Laut Legende haben selbst gestandene Testfahrer bei der Modelleinführung und Pressevorstellung für den europäischen Markt im Jahr 1976 in Marrakesch es partou nur mit Mühe geschafft, den Bock via Kick zum Leben zu erwecken. Der Mythos vom Männermotorrad war geboren und hat sich bis heute gehalten. Des öfteren lese in in eBay Beschreibungen von XT500 Versteigerungen Aussagen wie: “Das Motorrad war für meine Freundin gedacht, aber die kriegt das mit dem Kickstarter nicht hin”.

Was aber nicht heißt, dass es keine XT500 fahrenden Frauen gibt, ich glaube das verhält sich mit dem Kicken eher so: Wer sein Motorrad nicht angekickt bekommt, hat es nur noch nicht oft genug versucht. 😉

Bei meiner Royal Enfield (ebenfalls ein 500ccm Einzylinder) übrigens genau dasselbe: Wenn man den Dreh einmal raus hat, ist das Kicken absolut kein Problem.

Yamaha XT500, 1980Das XT500 Urmodell von 1975, international vorgestellt in Las Vegas, stand schon gut da: Aus dem Leergewicht von 150 Kg, dem 33 PS starken Einzylinder 4-Takt Motor, sowie einem kurzen Radstand von 140 cm und einer Bodenfreiheit von rund 24 cm, ergab sich eine leistungsstarke und wendige Allroundmaschine, die sowohl auf der Straße, als auch im Gelände mit Leichtigkeit bewegt werden konnte.

Mit der XT500 hatte Yamaha einen neuen Typ von Serienmotorrad eingeführt: Die Straßenenduro – und damit ein ideales Motorrad um Sonntag morgens die Brötchen zu holen, aber auch, um die Sahara zu durchqueren.

Enduro und Motocross gibt es schon so lange es Motorräder gibt (1909: “The Scottish”, 1913: “Six Days”) und auch Enthusiasten, die Straßenmotorräder für den Geländeeinsatz umgestalteten, aber Yamaha hat mit der XT500 erstmals einen “Scrambler” in Serie gebaut. Beflügelt durch die Erfolge bei der Ralley Paris-Dakar fanden sich schnell viele Anhänger dieser vielseitigen Maschine.

Das die XT500 von 1975 bis 1989 gebaut wurde, spricht für das Motorrad und auch der Umstand, dass die XT keine großen Veränderungen in der Modellgeschichte durchgemacht hat. Es gab nur kleinere, sinnvolle Veränderungen, wie den Krümmer für mehr Bodenfreiheit zu ändern, oder die elektrische Anlage von 6 auf 12 Volt umzurüsten. Sicherlich war die frühe Einführung des Kick Indikators, mit dem leicht der OT des Kolben ermittelt werden konnte, was das Ankicken erleichtern sollte, ebenfalls eine sehr sinnvolle Veränderung. Wenn an einem Motorrad im Laufe der Jahre so wenig verändert wird, lässt das nur einen Schluss zu: Das Ur-Modell war schon nahezu perfekt.

Die letzte XT500 wurde in Deutschland im Jahr 1991 verkauft. Wie ich jedoch inzwischen von Jochen von Moto1203 erfahren habe, sind von den rund 25.0000 Maschinen die in Deutschland verkauft wurden, noch 9.500 angemeldet. Eine wirklich erstaunliche Zahl für ein Motorrad, das nun schon 30. Jahre alt ist.

Das die Fangemeinde noch sehr groß ist, findet sich auch im Netz wieder. Es existieren zahlreiche XT Gemeinschaften und private Homepages, teilweise sehr gut und mit viel Liebe gemacht. Oft auch in Verbindung mit der Yamaha SR500, der Straßenschwester der XT500 – ebenfalls ein absolutes Kultmotorrad und genau wie die XT nicht nur technisch, sondern auch optisch sehr ansprechend. In herrlichem Zustand zu bestaunen übrigens beim Randgruppentourist.

Leider wird die Zahl der XTs zwangsweise abnehmen, was sich schon jetzt in den Preisen auf dem Gebrauchtmarkt wiederspiegelt. Unter 2000,- EUR ist nur schwierig an eine XT500 zu kommen, wenn es sich nicht gerade um den letzten Schrotthaufen handelt. Aber das ist eher positiv zu sehen: So ist sichergestellt, dass die Motorräder nicht verramscht werden und weitgehend nur an Liebhaber abgegeben werden.

Die XT500 wird es hoffentlich noch lange geben, denn sie ist ein Klassiker mit Charakter und auch modernen Enduros immer noch ebenbürtig. Und sie war die erste Ihrer Art.

Wichtige Links zum Thema:

Ingos Seiten rund um Motorrad und XT500, XT500.org, XToms XT500 Seiten, Wikipedia Eintrag zur XT500, XT500 in der Schweiz, AC Toms, XT500 Seite, Stefans Seiten zur XT500, XT500 Enduro Lehrgang bei dirt4fun

PS: Die angegebenen Zahlen bezüglich der Bauzeit sind in den von mir verwendeten Quellen sind teilweise unterschiedlich. Wer näheres weiß, bitte in den Kommentaren bescheid geben. Würde mich freuen! Danke.

Abgestempelt unter , , , ,
5 Leute haben was dazu gesagt und 1975 haben das bereits gelesen.

Ich will das weitergeben:

Tweet
Facebook
Share

5 Antworten

  1. Heute morgen habe ich grade in der “Motorrad” einen Bericht über einen XT500-Sammler aus dem Süddeutschen gelesen. Der konnte seine XTs mit bloßen Händen an”kicken”… 🙂

    [Antworten]

  2. Hallo Marc,

    zwei Korrekturen zu dem schönen Stück:

    > die ertsen Teile kamen im Sommer 1976 aus dem USA zurück auf den deutschen Markt. Die letzten wurden im September 1991 verkauft.

    >witzigerweise nehmen nach der abgefragten Statistik dem Kraftverkehrbundesamt die Zulassungen in den letzten Jahren wieder ZU; derzeit sind etwa 9.500 von 25.000 insges. Verkauften noch zugelassen.

    Siehe mehr dazu:

    http://moto1203.blogspot.com/2006/08/xt500-die-mutter-aller-enduros-wird-30.html

    Gruß Jochen

    [Antworten]

  3. @Jochen,

    ja die Quellen war an dem Punkt etwas unterschiedlich. Ich habe es noch nicht ganz klären können, vermute aber es war wohl so: 1975 war die Vorstellung der XT500 in Las Vegas und 1976 die Vorstellung für den europäischen Markt in Marrakesch. Die ersten Maschinen in Deutschland waren noch Importmaschinen mit den vollen 33 PS, statt später mit dem geänderten Krümmer nur noch 27 PS. Ist das so korrekt? Bin mir nicht sicher, weil bei Wikipedia auf die Vorstellung in Marrakesch gar nicht eingegangen wird, einige XT500 Seiten wiederum berichten nicht über die Vorstellung in Vegas…

    Und bei nochwas bin ich mir nicht sicher: Könnte es nicht auch sein, dass die XT500 nur bis 89 gebaut, aber noch bis 91 verkauft wurde?

    Wäre gut, wenn sich das klären ließe, denn widersprüchliche Informationen sind der Sache nicht dienlich.

    Deinen Artikel habe ich übrigens heute gelesen – erst nachdem ich meinen Eintrag veröffentlich hatte – da hätte ich mir noch einiges an Inspiration holen können. Du hast wirklich eine tolle Schreibe. Muss wohl am Beruf liegen. 🙂

    @Dennis:

    Ich glaube das mit dem ankicken ist nicht wirklich so ein Hexenwerk. Ich fühl bei meiner Enni ja auch schon, wann ich im OT bin, ohne auf das Ampermeter zu schauen.

    [Antworten]

  4. danke fuer diese huldigung eines klassikers, wie es die heutigen eisenschmiede wohl NIE wieder zustandebringen.

    die gute alte zeit ….

    keep kicking and thumping!

    so long

    rgt

    ps: meine SRs tuckern auf den ersten Kick!

    [Antworten]

  5. Ich hatte ja nur Zugang zum ganz arg kleinen Bruder im Geiste: der DT, also die 80er-Variante. Natürlich eine ganz andere Geschichte. Aber Fahrer derselben sahen in der XT500 immer den großen Bruder. Wenn nicht sogar der tatasächliche große Bruder eine hatte.

    [Antworten]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *




Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>