bosch motorrad abs infotag das bosch abs system der version 9

Bosch Motorrad ABS Infotag – das Bosch ABS System der Version 9

Vor einiger Zeit war ich, wie ja bereits schon in einem Video zu sehen war, auf einer Infoveranstaltung bei Bosch in Boxberg, wo die nächste Generation des Bosch ABS Systems speziell für Motorräder vorgestellt wurde. Ich war leider ein wenig zu spät, weil ich mich mal wieder ein wenig auf der Landstraße verfahren hatte und platzte in den ersten Vortrag von Tobias Fluck, der die technischen Details und die Weiterentwicklungen des neuen ABS vorstellte. Ich will gar nicht lange drum herum reden: Das System hat jetzt einen Schräglagen- und einen Beschleunigungssensor und das finde ich gut! Und noch besser: Es ist eine Funktion vorgesehen, mit der sich das ABS auch abschalten lässt, z.B. wenn es auf die Rennstrecke geht.

Ein Problem bei einigen anderen ABS war, dass manche zu früh die Bremse öffnen, oder dass eine Bremsung mit ABS in Schräglage zum Abflug führen konnte, denn das Motorrad entwickelt dann ein sehr starkes Aufstellmoment. Und was es heißt, wenn sich das Motorrad aus voller Schräglage plötzlich aufrichtet, kann sich wohl jeder vorstellen: Wir fahren schön gerade aus in den Gegenverkehr, wahlweise auch in die Leidplanke, oder wir lernen mal, wie sich ein Highsider so in echt anfühlt. Doof also, da ist mir ein Lowsider lieber. Und das die EU nun bald ABS für Motorräder vorschreiben will, das macht das ganze natürlich nicht besser. Herr Dr. Gleich vom MojoMag hat ja auch bereits etwas dazu geschrieben, worin auch viel Wahrheit liegt. Die ABS Pflicht darf nicht dazu führen, dass irgendwelche graupigen System in die Motorräder integriert werden, nur damit eine gesetzlich vorgegebene Richtlinie möglichst kostengünstig erfüllt wird. ABS macht nur Sinn, wenn es wirklich perfekt funktioniert und vorallem die Gefahren, die durch den Einsatz eines ABS entstehen können, eliminiert werden.

Genau das hat Bosch auch erkannt und in das neuner ABS nun eben einen Schräglagensensor und sogar noch einen Beschleunigungssensor integriert. Durch den Schräglagensensor ist das System nun dazu in der Lage die Bremskräfte in voller Schräglage so zu verteilen und zu regeln, dass sich das Motorrad nicht mehr aufrichtet, sondern lediglich der Kurvenradius etwas größer wird. Zumindest wurde das in der Präsentation so gesagt, wenn ich es noch richtig im Kopf habe – mein Hirn war teilweise noch auf der Autobahn – verifizieren konnten wir es beim späteren Test nicht, da diese Funktion erst in Kürze zur Verfügung steht. Wohl eine Sache der Programmierung.

Zusätzlich zu dieser Neuerung ist es dank dem Beschleunigungssensor, der auch die Neigung in Fahrtrichtung misst, eine Anfahrhilfe am Berg zu realisieren. Das finde ich zwar interessant, aber wer nicht ordentlich am Berg anfahren kann, der gehört in meinen Augen auch nicht auf ein Motorrad. Unvermögen sollte nicht durch elektronische Systeme kaschiert werden. Viel interessanter finde ich da die Schlupfregelung bei Kurvenfahrten, die wir später am Tag auch am lebenden Objekt testen konnten. Das war schon genial.

Nach dem Vortrag über die neue Technik, gab es einen weiteren Vortrag, der einen sehr tiefen Einblick in die Sensortechnik erlaubte. Ich will euch jetzt nicht mit Details langweiligen, kann aber sagen, dass die Sensorik wirklich hochtechnologisch ist. Vorallem werden die Sensoren immer kleiner, wodurch eben auch die Gesamtgröße des Systems abnimmt. Das ABS 9 wiegt in den Varianten „plus“ und „base“ nur noch 0,7 Kg, das „enhanced“ ABS wiegt 1,6 Kilo. Zum Vergleich: Das ABS von 1994 wog 4,5 Kg und wir alle wissen – Gewicht macht langsam. Auch das geringere Gewicht ist also ein Fortschritt, wobei das nicht für die „enhanced“ Variante des Bosch ABS gilt, dann das wiegt 200 Gramm mehr als der Vorgänger (1,4 Kilo), hat dafür aber auch neue Sensoren. Die Varianten entscheiden sich übrigens auch in der Funktionalität: Nur das „enhanced“ Modell kann das mit der Schräglage und der Traktionskontrolle, während „base“ ein einfaches Zweikanal ABS ist und „plus“ über einen zusätzlichen Drucksensor eingreifen kann, wenn das Rad noch nicht blockiert. Letzteres wird z.B. dazu genutzt, um Stoppies zu erkennen und an der Vorderbremse entsprechend so zu regeln, dass das Hinterrad wieder Bodenkontakt bekommt.

Zum Schluss wurde der Vortragsteil mit einigen interessanten Zahlen abgerundet. Zum Beispiel waren 2010 36% der Motorräder mit einem Hubraum von wenigstens 250 ccm in Deutschland mit ABS unterwegs. Werden alle Zweiräder betrachtet, dann sinkt diese Zahl – vermutlich durch die ganzen China- und Baumarktroller 😉 – auf 16%. Naja und dann gab’s noch eine Studie, die gezeigt hat das mit ABS bei einem Unfall X Personen nicht verletzt worden wären und Y Personen sich nicht so ganz so arg auf den Bart gelegt hätten. Da die wissenschaftliche Nachprüfbarkeit solcher Studien für Normalmenschen wie mich nicht gegeben ist, ignoriere ich solche Sachen aber in der Regel. Natürlich kann ABS helfen, dass Unfälle gar nicht erst passieren, oder zumindest weniger schwer ausgehen, aber es in Zahlen zu gießen – schwierig.

Bilder von der Veranstaltung

Nach den Vorträgen ging ich gemeinsam mit Blogger Jan von ras-mussen, der auch als Redakteur für Händlerzeitschrift „Bike and Business“ schreibt, zum Mittagessen. Wir zwei waren übrigens die einzigen Blogger, André von Racemoto war ja leider überraschend krank geworden und Dennis vom MoppedBlog beruflich verhindert. Schade, aber so ist es. Wir sind eben keine Profis und machen das ja nur als Hobby. Und wenn ich überlege, was ich an Sprit für die Anfahrt verblasen habe und Ausgaben für das Miet-Motorrad hatte, dann manchmal sogar ein recht teures. Aber auch ein schönes. Was macht man nicht alles für guten Content… den gibt’s nämlich jetzt, denn nach dem Mittagessen ging es daran das neue ABS in der abgesperrten Wildbahn zu testen. Also ab in den Shuttle Bus und auf zur Bremsen Safari!

Vollbremsung auf Sand

Nach einer kurzen Einweisung stiefelten wir zum ersten Test: Vollbremsung auf Sand, womit eine typische Situation nachgestellt wurde, wie sie oft in Baustellen vorzufinden ist. Und das geht so: Ich fahre mit der ZX10R zum Startpunkt, wende und warte, bis die Strecke frei ist. Dann beschleunige ich die Kawa auf 60 Km/h und an einem Punkt, der mit Hütchen markiert ist, greife ich voll in die Bremse. Die Maschine bremst dann zuerst noch auf Asphalt, bis ein kurzes Stück Sand kommt. Hier verringert sich die Bremsleistung merklich, bis das Vorderrad wieder Asphalt erreicht, dann verzögert das Motorrad wieder brutalstmöglich, bis zum Stillstand und mit der abschließenden Erkenntnis: „Hey, ich bin gar nicht auf die Fresse geflogen“. Für mich war das wirklich ein „Aha-Erlebnis“, denn ich bin noch nie ein Motorrad mit ABS gefahren (außer eine schwuchtelige Fahrschul-BMW) und hatte somit auch nie die Möglichkeit ein ABS wirklich zu testen. Es war schon etwas seltsam und mir war auch ein wenig unwohl, weil ich nicht wusste, was mich erwartet, aber das hat sich nach der ersten Bremsung mit der ZX10R gelegt. Die Kawa bremst übrigens wie Teufel, richtig genial! Nach der Kawa habe ich den Test mit der KTM 990 SM T wiederholt, dabei stetig die Geschwindigkeit erhöht, ebenfalls alles problemlos. Angenehmes Mopped übrigens, soweit wie ich das in der kurzen Zeit beurteilen konnte.

Nasses Kopfsteinpflaster

An der nächsten Station habe ich dann doch wieder ein wenig Bammel: Vollbremsung auf nassem Kopfsteinpflaster. Und mit nass meine ich nass, wie im strömendem Regen, denn das Kopfsteinpflaster wird ständig bewässert. Soweit ich mich recht erinnere standen hier eine SM T und eine Ducati Diavel zur Verfügung. An das erste Motorrad erinnere ich mich nicht mehr so genau, aber die Diavel ist mir in bleibender Erinnerung geblieben, aber dazu später mehr, denn die erste Runde bin ich mit der SM T gefahren. Auch hier wieder das gleiche Spiel: Beschleuningen, bei den Hütchen die Vollbremsung starten, auf nasses Kopfsteinpflaster kommen und hoffen, dass das Motorrad gefahrlos zum stehen kommt. Bei der ersten Fahrt habe ich schon ziemlich bammel, nasses Kopfsteinpflaster ist einfach der Horror für Motorradfahrer, es ist so ziemlich der rutschigste Straßenbelag im Alltag. Aber dennoch beschleunige ich die KTM auf 50 Km/h und greife gnadenlos in die Bremse. Die Verzögerung ist anfänglich sehr stark, dann kommt das Kopfsteinpflaster und in der Hand spüre ich, wie das ABS eingreift. Das funktioniert erstaunlich gut und das Motorrad kommt sicher und trotz dem rutischen Untergrund recht schnell zum stehen. In den nächsten Durchgängen steigere ich langsam die Geschwindigkeit und auch die Vollbremsung mit 70 Km/h funktioniert überraschend problemlos.

Dann wechseln wir das Motorrad und ich sitze auf der vielfach hochgelobten Ducati Diavel, die auf Fotos immer recht hübsch aussieht. Es gibt einfach Motorräder, die sind sehr photogen, sehen aber in Natura dann einfach nur noch doof aus – ist natürlich Geschmackssache. Den umgekehrten Falls gibt’s aber auch, ich sag nur: Mana. Jedenfalls fühle ich mich auf der Diavel sofort unwohl und so, als säße ich in einem Tarnkappenbomberimitat aus billigem Plastik. Was von außen betrachtet noch irgendwie cool aussieht, negiert sich nach dem Aufsitzen, denn ständig hat der Fahrer diesen riesigen Vorbau in Plastikoptik vor sich und auch der Lenker ist ergonomisch nicht sonderlich an den Fahrer angepasst, sondern scheint von den Designern eher so plaziert, dass er optisch ins Konzept passt. Nichts gegen die Fahrleistungen der Diavel, oder doch: Der dicke Schluffen hinten ist zu dick. Also bitte, lieber Italiener, das Thema hatten wir doch auch bei der Mana schon: Hinten ist weniger manchmal mehr. Wenn ich so ein Image wollte, dann könnte ich mir auch einen gepimpten 3er BMW kaufen. Das Bremsen auf nassen Pflastersteinen funktioniert allerdings zugegeben hervorragend, trotzdem sagt mir das Motorrad so wenig zu, dass ich die Fahrten nach 4 Durchläufen vorzeitig beende und den Stuhl an den Instruktor übergebe. Eisenhaufen, unfahrbar, allerdings nicht so unfahrbar, dass es sich lohnen würde darüber herzuziehen. Ich denke die Diavel ist sehr polarisierend: Entweder du magst sie, oder eben nicht. Dazwischen gibt es einfach nichts.

Voll in die Eisen

Die nächste Übung wird richtig Spaßig: Vollbremsung aus 100 Km/h auf einer BMW S1000RR und einer Kawasaki ZX10R, in meinen Augen beides sau leckere Motorrädchen, so richtig feiste Uberhobel. Bosch hat dankenswerter weise gut mitgedacht und den Weg, der zur Beschleunigung zur Verfügung steht so kurz gewählt, dass ich richtig am Kabel ziehen musste, um auf die 100 Km/h zu kommen. So ließ sich nebenbei auch noch die Beschleunigung der Sportmotorräder ein wenig ausreizen. Das Bremsen aus 100 Km/h ist dann bei der Kawa ziemlich unspektakulär, das Motorrad verzögert einfach gnadenlos auf null und kommt nach etwas über 30 Metern zum stehen. Die BMW ist da etwas zickiger und Blogger-Kollege Jan schafft sogar einen kleinen Stoppie, weil er hinten nicht mitgebremst hat. Das ABS der BMW erkennt zwar, wenn das Hinterrad hin die Luft steigt und macht dann vorne etwas weiter die Bremse auf, aber wenn der hintere Bremshebel mit betätigt wird, dann kann das ABS das einfach viel schneller erkennen. Das Rad blockiert ja sofort, wenn es den Bodenkontakt verliert und so kann das ABS dann vorne schneller reagieren. Jan wiederholt die Übung, diesmal mit Betätigung der hinteren Bremse und siehe da: Kein Stoppie mehr. Dann tauschen wir die Motorräder und ich darf die S1000RR fahren. Hübsches Ding, richtig sportlich, sehr handlich und optisch wie technisch sehr hochwertig. Ich hätte nicht gedacht, dass BMW doch tatsächlich etwas richtig sportliches gelingt, aber Hut ab – die S1000RR ist lecker und bremst genau wie die ZX10R wie Teufel.

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Spiegelglattes Eis

An der nächsten Station wird es dann witzig, auch dank dem lockeren Instruktor: Es handelt sich um handelsübliche Nassraumfliesen, die komplett unter Wasser gesetzt werden. Normalerweise würde ich da mit Schuhen bereits auf dem Gesicht landen und jetzt soll ich da auch noch mit einem Roller bzw. einem Motorrad drüber fahren. Da dieser Untergrund so extrem ist, dass auch das ABS hier an die Grenzen stößt, sind die Testfahrzeuge mit Stützen ausgerüstet. Und die sind auch notwendig, denn das Bremsen auf diesem „Straßenbelag“ ist auch mit ABS eine kniffelige Angelegenheit. Gefahren wird mit maximal 30 Km/h, denn wer hier nicht vorsichtig bremst, sondern voll reingreift, der wird unweigerlich eine unfreiwillige Drehung hinlegen. Aber mit ein wenig Übung klappt dann auch mit ABS die sichere Bremsung auf diesem extrem rutschigen Untergrund. Der Trick ist, den Bremshebel behutsam zu betätigen, sonst reicht bereits der geringe Impuls am Lenker, um das Gefährt ins Schlingern zu bringen. An dem Roller schalten wir dann zur allgemeinen Unterhaltung das ABS ab und versuchen auf diesem Untergrund ohne technische Unterstützung zum stehen zu kommen. Mein erster Versuch geht gnadenlos schief und ich drehe mich um 180 °. Der zweite Versuch ist dann aber ein Erfolg, und komme zum stehen, ohne das ich hingefallen wäre. Allerdings ist der Bremsweg um einiges länger, als bei der Bremsung mit ABS. Diese Station fand ich wirklich sehr interessant und spaßig, weil hier die Grenzen des ABS ausgelotet werden konnten. Auch mit ABS muss klug gebremst werden, allerdings nicht ganz so klug wie ohne.

Kontrollierte Beschleunigung

Beim nächsten Testaufbau wird es technisch richtig interessant, denn hier kommt zum ersten Mal der neue Schräglagensensor ins Spiel. Die Aufgabe ist, ein Kurve in Schräglage zu fahren und bereits bei erreichen der Wohlfühl-Schräglage das Gas wieder voll aufzureißen. Normalerweise würde ein Sportmotorrad das sofort mit einem rutschenden Hinterrad quittieren, aber nicht hier, denn das ABS greift in das Motormanagement ein und kontrolliert die Motorleistung abhängig von Schräglage und Grip am Hinterrad. Die Traktionskontrolle ist dabei voll konfigurierbar, von „greift sehr früh ein“, bis „greift gar nicht mehr ein“. Und genau das konnten wir in der nachfolgenden Übung auch testen. Zuerst mit einer Einstellung, wo sehr früh eingegriffen wird und anschließend mit immer späteren Eingriffen. Tatsache, bei der Übung konnte ich feststellen, dass es tatsächlich funktioniert und es möglich ist, das Gas bereits in vor dem Scheitelpunkt der Kurve voll aufzureißen und je niedriger der Wert am Konfigurationsdisplay, um so heftiger geht das System an die Grenze.

Can-Am und Schräglagenprotokoll

Die nächste Station ist der Abschluss und hier wird es nochmal lustig. Während ich mich erstmal mit dem Can-Am Spyder austoben darf, das ist so eine Art Funtrike mit zwei Rädern vorne und einem Rad hinten, darf Jan ein Sportmotorrad durch einen Parcour treiben, wobei mittels Schräglagensensor und Laptop seine Schräglage umfangreich aufgezeichnet und dokumentiert wird.
Der Can-Am Spyder fährt sich ganz lustig, ähnliches Gefühl wie Gespannfahren, aber ohne die träge Masse des Seitenwagens an der Seite. Lustiges Fun-Gerät, aber eher etwas für Besitzer eines Führerscheins der Klasse B.
Nach einiger Zeit tauschen wir dann und meine Schräglage wird gemessen. Ich gebe alles, weiß aber auch, dass es ein recht maues Ergebnis wird. Ich bin mit mir unbekannten Motorrädern doch immer recht vorsichtig bis verhalten und gehe so oder so selten an die Grenze des Reifens. Ein halber Zentimeter Angstrand schafft einfach gewisse Reserven.

Danach geht es mit dem Shuttle-Bus zurück in die Zentrale zur Abschlussbesprechung. Die Auswertungen der Schräglagenprotokolle werden verteilt, es werden noch einige abschließende Worte gesprochen und letzte Fragen beantwortet. Dann ist die Veranstaltung beendet. Jan und ich brechen zügig auf, er mit der Enfield EFI und ich mit der Mana. Jan führt mich über die Landstraße bis nach Würzburg, wo ich auf die Autobahn schwenke und die Mana Richtung Heimat prügele. Auf der Autobahn ist Zeit sich ein Fazit für diesen Beitrag zu überlegen.

Gedanken

Die Übungen, die bei Bosch angeboten wurden, waren alle insgesamt spannend und zeigten: Das Bosch Motorrad ABS funktioniert sehr gut. Selbst Dinge, bei denen ich mir ohne ABS bei einer Vollbremsung vor Angst in die Hose scheißen würde, gehen mit dem Bosch ABS ohne Probleme. Aber wo Licht ist, da ist auch Schatten, womit ich die kommende ABS Pflicht bei Motorrädern meine, denn die Tatsache, dass ein schlechtes Antiblockiersystem gefährlich ist, sowie ein schlechter Umgang mit dem System, die lässt sich nicht schön reden. Und wer garantiert mir als Kunde, dass das verbaute billig ABS in der Einsteigerenduro der Marke X auch das macht, was es soll. Und auch die Frage, ob ein ABS an einer 250er Enduro (Beispiel) überhaupt Sinn macht, oder ob eine hubraumabhängige Pflicht nicht besser wäre – wenn überhaupt! Mich ärgern diese kopfgesteuerten EU Geburten, die dann in nationale Gesetze und Richtlinien umgesetzt werden, die uns immer mehr zum Vollkasko-Bürger werden lassen.

Ich bin Motorradfahrer. Ich will kein Vollkasko-Bürger sein. Deswegen fahre ich doch Motorrad – neben ganz vielen anderen Gründen. Womit ich nicht sagen will, das mein nächstes Motorrad kein ABS haben wird. Es wird mit Sicherheit ABS haben, weil das erfahrungsgemäß für mich gut funktioniert. Aber es ist meine Entscheidung, ob ich so ein System nutzen möchte oder nicht. Und wer sich ein Motorrad zum Heizen kauft und genau deswegen kein ABS möchte, es ist schließlich ein Zusatzgewicht, dann ist das die eigene und freie Entscheidung. Der Staat versucht uns immer mehr in Sicherheit zu wiegen, vergisst aber dabei, dass Sicherheit immer auf Kosten der Freiheit geht. Gurtpflicht und Helmpflicht, das sehe ich ja noch ein, aber wenn es jetzt in Richtung ABS-, Schutzkleidung und Warnwestenpflicht geht (letzteres: siehe Frankreich), dann sage ich, sorry, das ist mir ein büschen too much.  Vorallem weil ich mir zu 99,9999999… % sicher bin, dass diese Ideen in den Köpfen von Menschen entstanden sind, die noch nie auf einem Motorrad gesessen haben. Ich will Wahlfreiheit in meinem Leben und nicht, dass mir der Staat Entscheidungen abnimmt, oder mir gar mögliche Entscheidungen verbietet.

Das waren so die Gedanken, die mir auf der Rückfahrt durch den Kopf gegangen sind. Das ABS von Bosch bewerte ich sehr positiv. Die Jungs und Mädels wissen was sie tun. Aber mir ist auch klar: Das Unternehmen Bosch würde so eine ABS-Pflicht sicherlich gut finden, alleine aus wirtschaftlichen Aspekten. Inwieweit Bosch da jetzt in Brüssel aktive Lobbyarbeit leistet, das weiß ich nicht, das kann ich nicht beurteilen. Aber als Pirat bin ich natürlich ein absoluter Gegner von Lobbyismus. Ich denke da sollten wir genau beobachten, wie sich das entwickelt und dieser Entwicklung auch kritisch gegenüber stehen. Trotzdem war die Veranstaltung super: Wirklich nette Leute die uns da betreut haben und ich habe an dem Tag wirklich viel lernen und mitnehmen können. Danke dafür.

Was ich sonst noch aus der Veranstaltung mitgenommen habe? Eine ganz wichtige Sache: Bremsen will gelernt sein, ob mit oder ohne ABS ist dabei scheiß egal. Denn wer sich trotz ABS nicht traut voll reinzugreifen, fährt auch vor die Wand.

Fotomaterial: (c) Bosch | Hier geht’s zum Intensivtest der Aprilia Mana, die ich an diesem Tag leihweise gefahren bin.

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18 Antworten

  1. White
    schrob am 16 Nov 2011 um 17:35

    Sehr schöner Bericht. Ich muss sagen bis auf Winter habe ich bis jetzt eigentlich noch nie ABS vermisst.

    [Antworten]
    • Ich habe einmal vorne überbremst, das wäre mit ABS nicht passiert. Ist aber nicht viel passiert… insofern bräuchte ich es während der Saison auch nicht unbedingt, vorallem nicht mit der kleinen 250er.

      Im Winter hätte ich es allerdings auch gerne muss ich sagen, da hat es wirklich Vorteile. Hab mich ja letzten Winter erstmal schön beim Bremsen gelegt. Ist auch nichts passiert, war aber trotzdem doof.

  2. Marc! Ganze Romane haste ja geschrieben, kein Wunder, dass es gedauert hat.

    D’accord: ABS darf kein rechts… äh: wahlfreier Raum sein!

    [Antworten]
  3. White
    schrob am 17 Nov 2011 um 09:02

    Ja ich hab mich letzten Winter auch beim Bremsen lang gemacht. Dabei hats mir leider den Kupplungshebel zerlegt^^

    Aber mal sehen was dieser Winter zu bieten hat. Heute gabs zum ersten mal nen bissle glatte Straßen in Dresden 😉

    [Antworten]
  4. Guter Artikel – auch wenn er mir schmerzlich vor Augen führt, dass ich ein sehr interessantes Event verpasst habe. Schade, dass die Gesundheit sich nicht nach der jeweiligen Interessenlage richtet 😉

    Ich hoffe, dass Bosch kommendes Jahr wieder eine ähnliche Veranstaltung auf die Beine stellt, denn gerade in Hinblick auf die Rennstrecke finde ich ja so Assistenzsysteme hochgradig spannend…

    Gruss!

    [Antworten]
    • Dann hoffe ich, dass wir uns nächstes Jahr dort sehen, falls der Event nochmal stattfinden sollte. 🙂

  5. Sven
    schrob am 22 Nov 2011 um 23:57

    WOW! So’n modernes ABS hat ja ’ne Menge zu bieten. Schräglagensensor, Beschleunigungssensor…. und das mit nur ’nem knappen Kilo…
    Gemäß Wikipedia hat meins ein Gewicht von 11KG. Ok, bei einem Gesamtgewicht von >270KG kann man das verschmerzen, aber ich fahre ja auch keine Racer.
    Ob jemand dieses Feature haben möchte oder nicht sollte jedem selbst überlassen sein. Man muss nicht alles zu irgendwelchen Gesetzen verwandeln.
    Ich weiß nur dass ich es nicht missen möchte. Als blutiger Anfänger hat mich das vermutlich vor schlimmerem bewahrt. Ein PKW ist kurz vor mir links abgebogen und ich habe das getan, was ich in der Zeit im Auto antrainiert hatte: Lenkrad festhalten und mit beiden Füßen in die Pedale treten. Also hab‘ ich vorne und hinten volles Rohr gebremst, die Kupplung gezogen und ’n Gang runtergeschaltet.
    Vielleicht wäre die Situation ohne ABS nicht unfallfrei ausgegangen, vielleicht doch. Herausfordern möchte ich es eigentlich nicht.

    [Antworten]
    • Hi Sven,
      also wenn du wirklich voll reingelangt hast, dann hat dich das ABS definitiv vor schlimmerem bewahrt, weil ohne ABS hätte das Vorderrad blockiert und wärst in jedem Fall auf die Fresse geflogen.
      Ich hab’s ja auch geschrieben: An meinem nächsten Motorrad hätte ich auch gerne ein ABS. Aber trotzdem will ich auch noch ohne ABS unterwegs sein können, z.B. mit einer kleinen und leichten Enduro… und da macht ein ABS wenig Sinn.

  6. Marc G
    schrob am 23 Nov 2011 um 09:03

    Zu unserer Twitter-Diskussion:

    Ich verstehe den ‚Vollkaskobürger‘ nicht recht – ich gehe davon aus, dass Du krankenversichert bist, und dass Du im Falle eines Unfalles versorgt, wiederbelebt, rehabilitiert und was auch immer wirst. Du bist also schon ein Vollkaskobürger (im Gegensatz zu den Bürgern verschiedener anderer Länder, die beim Einchecken ins Krankenhaus eine Kreditkarte brauchen).

    Aber das hat mit ABS eigentlich nichts zu tun: ABS am Motorrad hat sich in den letzten Jahren als recht sinnvolle Sicherheitseinrichtung herausgestellt – wie vorher Dinge wie Licht, der Seitenständerschalter, die Helmpflicht und tausend andere Details. Nachdem ABS mittlerweile günstig genug ist, dass die Pflicht keine Auswirkungen auf den Markt hat, soll es eben in alle Neumaschinen gebracht werden – nicht nur Papis GS profitiert davon, sondern vor allem auch Muttis Baumarktroller.

    Ob die Vorschrift nun kommt, weil man sich ehrlich darum bemüht, Dein individuelles Leben und Deine Unversehrtheit zu schützen, oder weil’s für die Sozialsysteme einfach günstiger ist, Dich nicht reparieren zu müssen, das ist Ansichtssache. Hängt auch von Deinem individuellen Politikbild ab 🙂 Besser als der Alternativansatz (wenn Du Dir das Krankenhaus nicht leisten kannst, musst Du halt verrecken) find‘ ich’s auf jeden Fall.

    [Antworten]
    • Wie gesagt: Mein nächstes Neumotorrad Mopped wird auch ABS haben, weil ich das gut finde. Aber zum Argument, dass Muttis Baumarktroller davon profitiert: Du verkennst die technischen Realitäten. Wenn die Hersteller per Gesetz dazu gezwungen werden, ein ABS einzubauen, dann wird wieder bei den Kosten gespart so viel es geht, um die Auflagen zu erfüllen. Wozu wird das wohl führen? Es werden irgendwelchen nicht richtig funktionierenden ABS eingebaut, die sogar teilweise gefährlicher sind, also ohne ABS. Und das geht gar nicht.
      Nehmen wir mal als Beispiel Honda. Honda baut inzwischen jedes Modell mit ABS. Und bei Honda funktioniert der Kram auch, weil die da hochwertigen Scheiß verbauen und keinen China Dreck. Faktisch gesehen brauchen wir die ABS Pflicht nicht, weil der Markt das ganze von sich aus regelt, siehe Honda. Die Kunden wollen ja ABS und deswegen wird da auch kein Scheiß eingebaut, weil sonst würde es ja keiner kaufen. Genau diese positive Entwicklung bei den Assistenzsystemen wird durch einen Zwang torpediert und ist kontraproduktiv.

      Und jetzt mal noch was zum „Vollkaskobürger“. Ich beziehe diesen Ausdruck nicht auf Krankenversicherungen, Medizin oder sonst was, sondern ich habe es schlichtweg satt, das der Staat meint mir Entscheidungen abnehmen zu müssen. Ich habe da wohl tatsächlich ein anderes Politikverständnis, gut ich bin auch Pirat und als solcher klar für mehr persönliche und individuelle Freiheit. Aber das ist Einstellungssache.

  7. Marc G
    schrob am 23 Nov 2011 um 10:40

    Marc, wenn der Markt funktionieren würde, hätten die Chinakracher aus dem Baumarkt auch ABS 😉

    Was das ’nicht richtig funktionierende ABS‘ angeht, sowas lässt sich ja mit der Verordnung lösen – ein ABS ist dann ein ABS, wenn es gewisse Mindestfunktionalität aufweist.

    Der ‚Vollkaskobürger‘ hat aber schon ein bisschen damit zu tun, dass Du eine Rundumversorgung hast. Woher sonst käme die Überlegung zur ABS-Pflicht, wenn nicht daher, dass man sich eine höhere Sicherheit verspricht? Wen interessierte das, wenn Du Dir den Hals bricht, wenn keiner für die entstandenen Kosten aufkäme? A priori interessiert es doch keinen, ob Du mit oder ohne ABS fährst. Es wird dann erst interessant, wenn Du ohne ABS mit einer merkbar höheren Warscheinlichkeit zu einer roten Zeile in der Bilanz des Sozialsystems wirst.

    Die Sache mit der individuellen Freiheit ist hier immer recht zweischneidig. Einerseits kann man das ganz knackig und konsequent durchziehen, aber zum Beispiel in diesem Fall hiesse das, dass man sich auch, was dieses Risiko betrifft, aus der Sozialgemeinschaft verabschieden würde. Deine Wahl wäre dann entweder, einen Versicherer zu finden, der das Risiko abdecken mag, oder im Falle eines Falles halt entweder zu zahlen oder zu krepieren. Die Entscheidung würde dann also nicht mehr von der Gesellschaft genommen, sondern vom Risikomanagement einer Versicherung, bzw von der Tatsache, ob Du’s Dir leisten kannst oder nicht.

    Es gibt diese Gesellschaften, ich kann Dir zum Beispiel aus eigener Erfahrung berichten, dass Du in vielen US-Staaten auch ohne Helm fahren kannst. Die persönliche Freiheit bleibt also gewahrt, nur gibt’s keine Krankenversicherung, die Dir das Risiko abnimmt. Fährst Du ohne, bist Du nicht versichert, und im Falle des Falles wird Dir nicht geholfen. Besser so rum?

    BTW, Deine Kommentarbenachrichtigungsfunktion klemmt.

    [Antworten]
    • Erstmal was Grundlegendes: „Chinakracher aus dem Baumarkt“ brauchen kein ABS. Wozu braucht bitte eine 45 Km/h Kackmöhre ein ABS? Das erkläre mir mal bitte – auch wenn möglich anhand von Zahlen.

      Zweitens: Du kannst verordnen wie verordnen, das ändert nichts daran, ob etwas tatsächlich, oder nur auf dem Papier funktioniert.

      Drittens: „Es wird dann erst interessant, wenn Du ohne ABS mit einer merkbar höheren Warscheinlichkeit zu einer roten Zeile in der Bilanz des Sozialsystems wirst.“ – und genau das ist der Knackpunkt. Es gibt im Moment etwas über 6 Mio angemeldete Motorräder in Deutschland, ca. 13. Mio Führerscheine der Klassen A/A1 – gehen wir also mal pessimistisch von 5 Millionen Motorradfahrern aus. Die Unfallzahlen mit Todesfolge sind in den letzten 10 Jahren um fast 50% gesunken, letztes Jahr waren es knapp über 600 Todesfälle. Dann rechne von den 600 Fällen nochmal die Hälfte ab, die aus eigener Waghalsigkeit oder unabwendbar durch einen PKW-Fahrer draufgegangen sind (und 50% sind hier noch untertrieben!). Dann liegst du bei 300 Fällen. Und nun versuch mal bitte zu evaluieren, bei wievielen von diesen 300 Fällen ABS geholfen hätte. Vermutlich auch nicht bei allen.

      Und jetzt setze diese Zahl mal in Relation zur Anzahl der Motorradfahrer. Wir brauchen keine ABS Pflicht. Es ist vollkommen überzogen und wird sich definitiv schlecht auswirken.

      Hier auch nochmal ein Beitrag zu dem Thema, den ich oben auch bereits verlinkt habe. Sehr lesenwert.
      http://www.mojomag.de/2011/01/abs-ist-gefahrlich/

      Das mit der Kommentarbenachrichtigung muss ich mir noch ansehen, war mir aber schon bekannt. Ist irgendwas mit dem Plugin nicht okay…

  8. Marc G
    schrob am 23 Nov 2011 um 15:34

    Na das ist relativ einfach: der Chinakracher kost‘ zweimal nix, und wird entweder von Mutti mit dem Autoführerschein gefahren, oder von 16jährigen, die sich als unsterblich fühlen. Beide Bevölkerungsgruppen stechen nicht wirklich als mit überdurchschnittlichem Fahrkönnen gesegnet heraus, und beide hatten nicht unbedingt Praxisunterricht auf einem Gefährt, wo Bremsen gelehrt wurde. Die 45 km/h, die der Roller darf, reichen locker aus, um bei einem Sturz richtig gut weh zu tun – vor allem, wenn Bordsteine u.ä. mit ins Spiel kommen, oder Strassenmarkierungen den Sturz auslösen. Das sind IMHO gute Gründe. Eine Alternative wäre es, z.B. den Roller-Führerschein nur gegen Fahrausbildung auszugeben.

    Zur ABS-Qualität: natürlich kann man das. Zum Beispiel, indem man gewisse Mindestregelfrequenzen voraussetzt, oder minimal erreichbare Verzögerungen bei definiertem Reibwert im Fahrversuch. Wenn man die Wirksamkeit einer technischen Einrichtung messen kann, dann kann man sie auch vorschreiben.

    Drittens: Deutschland ist nicht der Nabel der Welt, noch nicht mal der EU. Während in .de mittlerweile die meisten Motorräder mit ABS rausgehen, sind es anderswo bedeutend weniger.

    Was die positive Evolution der Unfallzahlen über die letzte angeht: wieviel davon kommt schon durch’s ABS? Inwiefern korreliert dieser Rückgang mit der sukzessiven Einführung von ABS, und inwiefern differiert er von dem in anderen Ländern, in denen die Marktdurchdringung von ABS nicht so hoch ist?

    Ich schätze zwar Clemens‘ Ansichten, aber hier bin ich der Meinung, dass er sich irrt, und dass seine Argumentation ausserdem äusserst dünn ist.

    [Antworten]
    • Natürlich haben die sinkenden Unfallzahlen auch etwas mit dem immer mehr verbreiteten Assistenzsystemen zu tun. Bosch hat’s ja bestätigt: 36% der Motorräder waren 2010 mit ABS unterwegs. Bitte missversteh mich nicht. Ich habe NICHTS gegen ABS, ich habe nur etwas gegen unsinnige Vorschriften. Wenn ich deine Argumentationskette mal weiter spinnen würde, dann müssten wir Motorradfahren eigentlich komplett verbieten, weil das Gefahrenpotential trotz ABS einfach wesentlich höher ist, als beim PKW.
      Das „Problem“ in der Diskussion ist auch, das wir politisch vermutlich völlig unterschiedliche Ansichten haben. Insofern werden wir uns wohl nur auf den Punkt einigen können, dass ABS eine gute Sache ist, die EU Verordnung, da kommen wir nicht übereinander… aber es ist ja auch gut, dass es vielfältige Meinungen zu dem Thema gibt. Letztendlich aufhalten können wir den EU Kram meist eh nicht, insofern wird die Zukunft zeigen, wie es sich entwickelt.

  9. Marc G
    schrob am 23 Nov 2011 um 16:39

    Mmmh.

    Also halten wir die Argumentation beisammen:

    * ABS reduziert Unfallzahlen/Unfallschwere
    * ABS wird zunehmend günstiger und besser, bis zum Punkt an dem die Zusatzkosten sehr gering sind, und die Wirkung sehr beeindruckend
    * ABS hat einen stark zunehmenden Marktanteil bei grossen Krädern, einen verschwindend geringen bei kleinen

    Daraus schliessen wir, dass eine ABS-Pflicht eine unsinnige Vorschrift ist?

    Auf die weitergesponnene Argumentationskette habe ich mich schon länger gefreut, weil’s ein Klasse-Beispiel ist: Motorradfahren ist nicht erst seit gestern gefährlich. Und nicht nur steht ein Motorradfahrverbot überhaupt nicht zur Debatte (und stand es meines Wissens nach nie), sondern es werden fleissig neue gefährliche Fahrzeugklassen zugelassen (Trikes, Quads, alle möglichen Asphaltflöhe…). Das könnte man als Indiz dafür nehmen, dass die freiheitliche Grundordnung in diesem Bereich durchaus gegeben ist. Obwohl das ganze neue Gesocks saugefährlich ist, und es macht Lärm, und die ganzen Rockers, sowas hätt’s ja früher überhaupt nicht gegeben. Kann denn endlich mal jemand an die Kinder denken? 😉

    Ich weiss noch nicht mal, ob wir politisch so unterschiedlich denken – ich habe durchaus eine starke Affinität zu Bürgerrechten im Allgemeinen. Ich tue mich bloss damit schwer, eben die ABS-Pflicht als rücksichtslose Gängelung der Motorradfahrer zu begreifen. Irgendwie empfinde ich Dinge wie ACTA, den Staatstrojaner, oder die Passagierdatenverteilung als viel drängendere Themen in dem Bereich als die Frage, ob man sich in Zukunft freiheitlich mit blockierendem Vorderrad die Nase am Asphalt abrubbeln darf. Die ABS-Sache macht in meinen Augen einfach so viel Sinn, dass es ein absoluter No Brainer ist. Wie die Gurtpflicht, die Helmpflicht und ähnliche.

    Was die EU betrifft, verheb‘ Dich da mal nicht. Deutschland hat einen enormen Einfluss auf die EU, wie man gerade an der Eurobonds-Diskussion sieht. Wenn Deutschland etwas nicht will, hat die EU einen schweren Stand, es durchzusetzen. Wenn etwas aus Brüssel kommt, ist Deutschland normalerweise dafür gewesen, auch wenn man das im Nachhinein aus Rücksicht auf den potentiellen Wählerstimmenverlust normalerweise nicht hervorhebt.

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    • Ich sehe die ABS als Gängelung, weil es pauschalisiert. Pauschale Regelungen sind oft Mist. Für die breite Masse okay, aber für gewisse Fälle eben ungeeignet. Muss Jochen Sommer dann auch ein ABS an seine Diesel Kräder mit unglaublichen 11 PS Spaxxen? Und geht das überhaupt an einer Trommelbremse? Ja, richtig… die gibt’s noch mit Trommelbremse und es sind Neuzulassungen. Zwar nur so 100 im Jahr, aber das ist dennoch ein gutes Beispiel, wo solche Pauschalregelungen einfach keinen Sinn machen. Wer ein klassisches Motorrad fahren will (W800, Enfield EFI, Ural, Sommer Diesel, …) und deswegen bewusst auf ein ABS verzichten möchte, der wird von der Regelung definitiv gegängelt. Es gibt eben nicht nur BMW GS und Ninja Fahrer, es gibt auch noch Individualisten. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. 😉

  10. hey freibeuter, warum so wohlmeinend-naiv, wenn du schreibst, dass du nicht beurteilen kannst, ob bosch in brüssel aktive lobbyarbeit leistet? glaubst du, die bestellen ihr feld nicht und warten, dass die früchte von alleine reifen? und woher denkst du kommen die zahlen, mit denen die abs-befürworter ihre wohlfährige pflicht für alle untermauern?
    unabhängig vom institutionalisierten lobbyismus gab es im vorfeld des eu-kommissionsentwurfs auch eine online gestellte konsultation, in denen jeder interessierte zu einzelnen punkten der eu-weiten tpyprüfung – in der rahmen fällt die abs pflicht – hätte stellung nehmen können. 16 eu – bürger haben das getan. und natürlich auch bosch. oder continental. oder bombardier. nicht aber der bvdm, die kuhle wampe oder die biker union, die deutschen interessenvertretungen der motorradfahrer. trotzdem gab es im ergebnis keine mehrheit für die abs-pflicht.
    und doch fand sie ihren weg in den endgültigen gesetzesentwurf.

    du schreibst, wir sollten genau beobachten wie die entwicklung weitergeht – wohin denkst du, sollten wir denn da so gucken?

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  11. Pingback: le me, le versys, Das Motorrad Blog

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